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Geschwindigkeitsindex bei Reifen: Bedeutung, Tabelle und Berechnung

Der Geschwindigkeitsindex für Reifen, auch Speedindex genannt, gibt Auskunft über die zulässige Höchstgeschwindigkeit eines Reifens. Die Kennung besteht meist aus einem Buchstaben und zeigt an, bis zu welcher Geschwindigkeit der Reifenhersteller bei korrektem Luftdruck einen einwandfreien Betrieb des Reifens garantiert. Wird das zulässige Tempo überschritten, kann sich der Reifen stark erhitzen. Im schlimmsten Fall kann sich die Profilschicht von der Karkasse lösen.

Aus gutem Grund ist für jedes Auto der zulässige Speedindex im Fahrzeugschein vermerkt. Wird diese Vorgabe missachtet, drohen ein hohes Sicherheitsrisiko sowie Bußgeld und weitere Folgen. Aber was genau bedeuten die Angaben hinter den Buchstaben und Zahlen? Welche Rolle spielt der Lastindex? Und gibt es Unterschiede bei Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen? Goodwheel erklärt die wichtigsten Punkte rund um den Geschwindigkeitsindex.

Wo finde ich den Geschwindigkeitsindex?

Der Geschwindigkeitsindex kann an zwei wichtigen Stellen überprüft werden: in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 und direkt auf der Reifenflanke. Der für das Fahrzeug zugelassene Wert ist in der Zulassungsbescheinigung unter Ziffer 15 angegeben. Ziffer 15.1 betrifft die Vorderachse, Ziffer 15.2 die Hinterachse. Alle wichtigen Informationen zum Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief erhältst du auch in unserem Ratgeber-Artikel zur Zulassungsbescheinigung Teil 1 und 2 .

Darüber hinaus ist der Geschwindigkeitsindex auch direkt auf der Reifenflanke zu finden. Passende Reifen kannst du unter anderem nach Geschwindigkeitsindex filtern: Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen. Wichtig: Der Reifenwert betrifft den Reifen selbst und nicht automatisch den für das Fahrzeug zugelassenen Speedindex. Ein höherer Speedindex als vorgeschrieben ist in der Regel zulässig, ein niedrigerer hingegen nicht.

Speedindex auf Reifenflanke und im Fahrzeugschein

Sowohl im Fahrzeugschein als auch auf dem Reifen selbst ist eine Reihe verschiedener Zahlen, Buchstaben und Zeichen angegeben. Der Geschwindigkeitsindex steht am Ende der Reifenbezeichnung. Ein gängiges Beispiel lautet: 195/65 R15 91V. In diesem Fall steht das „V“ für den Geschwindigkeitsindex und erlaubt eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h.

Reifenflanke mit Reifenkennzeichnung 195/65 R15 91V und Geschwindigkeitsindex V
Die offizielle Reifenbezeichnung ist auf der Flanke eines jeden Reifens zu finden.
Fahrzeugschein Zulassungsbescheinigung Teil 1 mit Ziffer 15 für Reifendimension und Geschwindigkeitsindex
Im Fahrzeugschein sind unter Ziffer 15 die zulässigen Reifendimensionen aufgeführt.

Geschwindigkeitsindex Tabelle: Welcher Buchstabe steht für welche Geschwindigkeit?

Als grobe Orientierung gilt: Je weiter hinten der Buchstabe im Alphabet steht, desto höher ist meist die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Gängige Geschwindigkeitsklassen moderner Pkw liegen beispielsweise zwischen 160 und 240 km/h und werden häufig mit den Buchstaben Q bis V angegeben.

Es gibt jedoch Ausnahmen. So steht der Index H nicht für einen niedrigen Wert, sondern für bis zu 210 km/h. Der Buchstabe V steht für bis zu 240 km/h. Besonders hohe Geschwindigkeitsbereiche können zudem mit W, Y oder Sonderkennzeichnungen wie ZR angegeben werden.

Die wichtigsten und geläufigsten Speedindex-Kennziffern findest du in der folgenden Übersicht:

Geschwindigkeitsindex Zulässige Höchstgeschwindigkeit Passende Reifen ansehen
N bis 140 km/h Reifen ansehen
Q bis 160 km/h Reifen ansehen
R bis 170 km/h Reifen ansehen
S bis 180 km/h Reifen ansehen
T bis 190 km/h Reifen ansehen
H bis 210 km/h Reifen ansehen
V bis 240 km/h Reifen ansehen
W bis 270 km/h Reifen ansehen
Y bis 300 km/h Reifen ansehen

Hintergründe und Bestimmungsgrundlage für den Geschwindigkeitsindex

Nicht jedes Fahrzeug kann gleich schnell bewegt werden. Während einige Autos die 140-km/h-Grenze kaum erreichen, schaffen andere 300 km/h und mehr. Hohe Geschwindigkeiten stellen besondere Anforderungen an Reifen. Deshalb muss der Speedindex zu Fahrzeug, Reifendimension und Einsatzbereich passen.

Für größtmögliche Sicherheit, Überprüfbarkeit und eine einheitliche Referenz wird der entsprechende Geschwindigkeitsindex bei Zulassungen von Fahrzeugtypen festgelegt. Fahrzeughersteller können den zugewiesenen Speedindex nach eigenem Ermessen auch in eine höhere Geschwindigkeitsklasse korrigieren, nach unten hingegen nicht.

Beispiel: Ein Fahrzeug mit vorgegebenem Speedindex H für bis zu 210 km/h darf in der Regel auch mit Reifen der Geschwindigkeitsklasse V für bis zu 240 km/h bestückt werden, sofern Größe, Lastindex und weitere Vorgaben zulässig sind. Mit einem Reifen der Geschwindigkeitsklasse T für bis zu 190 km/h dürfte dieses Fahrzeug hingegen nicht gefahren werden.

Speedindex-Ermittlung und Einfluss des Lastindex

Die Überprüfung, welcher Geschwindigkeitsindex später auf der Reifenflanke stehen darf, erfolgt im Testlabor. Auf dem Rollenprüfstand wird ein Reifen in 10-Minuten-Abständen um jeweils 10 km/h schneller angetrieben und muss ein bestimmtes Tempo unter verschiedenen Beladungszuständen über längere Zeit halten.

Auch der Lastindex spielt für den Speedindex eine wichtige Rolle. Der Lastindex, auch Tragfähigkeitsindex, Load-Index oder Traglastindex genannt, steht als Zahlenwert direkt vor dem Speedindex. Fahrzeuggewicht und Beladung beeinflussen das Fahrverhalten eines Reifens bei hohem Tempo. Deshalb sollte bei der Reifenwahl nicht nur auf den Geschwindigkeitsindex, sondern auch auf den passenden Lastindex geachtet werden.

Geschwindigkeitsindex berechnen: Formel und Beispiel

Ein zentraler Wert zur Berechnung des Geschwindigkeitsindex ist die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit, kurz bbH. Die bbH ist die Geschwindigkeit, die ein Kraftfahrzeug nach seiner Bauart auf ebener Strecke bei bestimmungsgemäßer Benutzung nicht überschreiten kann.

Formel zum Geschwindigkeitsindex

Berechnet wird der nötige Sicherheitszuschlag auf Grundlage der bbH wie folgt:

bbH × 0,01 + 6,5 km/h

Mit dieser Formel wird zunächst ein Sicherheitszuschlag errechnet, den der Reifen über die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs hinaus haben muss. Hat ein Auto also eine bbH von 195 km/h, ergibt sich ein Zuschlag von 8,45 km/h. Die Reifen müssen folglich für mindestens rund 204 km/h zugelassen sein, was dem Speedindex H entspricht.

Der direkte Rechenweg für die erforderliche Reifen-Höchstgeschwindigkeit lautet:

(bbH + 6,5 km/h) + (0,01 × bbH) = erforderliche Reifen-Höchstgeschwindigkeit

Bei einer bbH von 195 km/h lautet die Rechnung:

(195 + 6,5) + (0,01 × 195) = 201,5 + 1,95 = 203,45 km/h

Speedindex bei Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen

Die Index-Regelungen und Geschwindigkeitsklassen gelten grundsätzlich unabhängig von der Reifensaison. Sie machen also zunächst keinen Unterschied zwischen Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen.

Eine wichtige Ausnahme betrifft Winterreifen und Ganzjahresreifen mit M+S-Kennzeichnung bzw. Alpine-Symbol. Hier darf der Geschwindigkeitsindex unter bestimmten Voraussetzungen unter der Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs liegen. In diesem Fall muss ein Hinweis mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit im Sichtbereich des Fahrers angebracht werden, etwa am Armaturenbrett. Diese Geschwindigkeit darf nicht überschritten werden.

Eine weitere Sonderregelung betrifft Italien-Reisende im Sommer. Vom 16. Mai bis 14. Oktober dürfen M+S Winter- und Ganzjahresreifen dort nur gefahren werden, wenn deren Geschwindigkeitsindex mindestens dem im Fahrzeugschein eingetragenen Index entspricht.

Was droht bei falschem Geschwindigkeitsindex?

Wer mit Reifen fährt, deren Speedindex nicht zur bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs passt, riskiert Bußgeld, Reifenschäden, Pannen und Unfälle. Sind Fahrzeug-Höchstgeschwindigkeit und Reifenfreigabe nicht aufeinander abgestimmt, können Hitzeentwicklung und Zentrifugalkraft den Reifen stark belasten.

Die Strafen für montierte Reifen, die nicht den Vorgaben entsprechen, können laut Bußgeldkatalog unter den Tatbestand „Erlöschen der Betriebserlaubnis“ fallen. Zusätzlich kann der Versicherungsschutz gefährdet sein. Um Aufwand, Ärger und Kosten zu vermeiden, sollte bereits beim Reifenkauf auf den korrekten Speedindex geachtet werden.

Das Team von Goodwheel steht dir bei Fragen zur Reifenwahl nach dem passenden Speedindex gerne zur Verfügung. In unserem Onlineshop kannst du die Ergebnisse deiner Reifensuche anhand der Speedindex-Werte filtern. Es werden dir dabei nur die Geschwindigkeitsklassen angezeigt, die in deiner getroffenen Reifen-Vorauswahl vertreten sind.

Autorenhinweis

Geschrieben von Pierre Bonse

Portrait von Pierre Bonse, freier Texter und Fachredakteur der Goodwheel Themengarage

Freier Texter & Fachredakteur

Pierre Bonse schreibt für die Goodwheel Themengarage über Reifen, Räder, Fahrzeugtechnik und Mobilität. Seine Beiträge verbinden sorgfältige Recherche mit verständlichen Erklärungen und praktischen Tipps rund um Reifenkauf, Fahrzeugpflege und Sicherheit.

Schwerpunkte: Reifen-ABC, Reifen & Felgen, Reifentests, Kfz-Wissen

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